Horten und hüten
Warum ich meine digitalen Sammlungen bewusster pflegeIch erinnere mich noch gut daran, wie ich früher alles gespeichert habe: Musik, Fotos, eBooks, Dokumente – einfach alles. Die Angst, etwas zu verpassen oder zu verlieren, war einfach zu groß. Doch irgendwann ist mir aufgefallen: Ich hatte zwar alles, aber ich habe nichts davon wirklich genutzt. Der Wechsel vom Horten zum Hüten war für mich eine echte Befreiung.
Horten vs. Hüten
Früher war das bei mir so: Ich habe einfach alles gesammelt, ohne nachzudenken. Das Ergebnis? Ein riesiges Chaos. Ich wusste nicht mehr, was ich eigentlich hatte, und wenn ich etwas gesucht habe, war es oft hoffnungslos. Am Ende hatte ich einen Datenfriedhof statt eines nutzbaren Archivs.
Heute geht es mir darum, meine Sammlungen aktiv zu pflegen und zu nutzen. Jede Datei hat ihren Platz und ihren Zweck. Durch klare Strukturen und ein bisschen Wertschätzung für das, was ich wirklich brauche, bleibt alles übersichtlich und nützlich.
Wie ich meine Sammlungen hüte
Prinzipien
Für mich bedeutet Hüten, dass jede Datei ihren festen Platz hat und ich weiß, warum ich sie behalte. Ich verbringe regelmäßig Zeit damit, aufzuräumen: Löschen, was ich nicht mehr brauche, Archivieren, was wichtig ist, und Aktualisieren, was veraltet ist. Besonders wichtig ist mir die Pflege der Metadaten in den Dateien. So habe ich alle Infos immer direkt zur Hand, egal wo ich die Dateien nutze. Dafür schreibe ich mir oft kleine Programme, die mir die Arbeit abnehmen. Tools wie Org-Mode, oder meine eigenen Lösungen wie das Book Sorter-Projekt helfen mir dabei.
Praktische Schritte
Ich arbeite am liebsten mit Baumstrukturen - mein Gehirn mag das einfach. Jede Datei hat ihren Platz in einer logischen Hierarchie. Damit ich alles schnell finde, nutze ich Tags. Und damit ich nicht ständig manuell sortieren muss, automatisiere ich so viel wie möglich. Zum Beispiel mit Skripten, die neue Downloads direkt an den richtigen Ort legen.
Meine Sammlungen im Detail
Musik
Meine Musik-Sammlung ist aktuell etwa 68 GB groß. Ich habe mich für MP3 entschieden, weil das Format fast überall abspielbar ist. Die Dateien liegen in einer Baumstruktur: ~/music/Genre/Interpret/Album/XX Songtitel.mp3. Die XX steht dabei für die Titelnummer auf dem Album - falls vorhanden. Als Baum sieht das dann so aus:
Pop/ ├── Adele │ ├── 21 │ │ ├── 01 Rolling in the Deep.mp3 │ │ └── cover.jpg │ └── Skyfall │ └── 02 Skyfall (instrumental).mp3 ├── Alanis Morissette │ └── Jagged Little Pill │ ├── 01 All I Really Want.mp3 │ ├── 02 You Oughta Know.mp3 │ ├── 03 Perfect.mp3 │ ├── 04 Hand in My Pocket.mp3 │ ├── 05 Right Through You.mp3 │ ├── 06 Forgiven.mp3 │ ├── 07 You Learn.mp3 │ ├── 08 Head Over Feet.mp3 │ ├── 09 Mary Jane.mp3 │ ├── 10 Ironic.mp3 │ ├── 11 Not the Doctor.mp3 │ ├── 12 Wake Up.mp3 │ ├── 13 You Oughta Know (Jimmy the Saint Blend) _ Your House.mp3 │ └── cover.jpg
Ich habe mir ein Python-Programm geschrieben, das über meinen kompletten Verzeichnisbaum läuft und aus den Pfadnamen dort Tags generiert, wo noch keine Tags existieren. Das heißt, ich kann Lieder, die neu dazugekommen sind, einfach in die Verzeichnisstruktur einkopieren, lasse einmal das Programm laufen, und die neuen Lieder sind bereits mit sinnvollen Einträgen getaggt.
Fotos
Meine Fotos nehmen etwa 67 GB Platz ein. Auch hier setze ich auf JPEG, weil es das universellste Format ist. Die Struktur ist ähnlich ~/img/fotos/Jahr/Jahr-Monat-Tag/ISO-Timestamp.jpg. So finde ich jedes Foto schnell über das Datum. Als Baum sieht das dann so aus:
2025 ├── 2025-04-10 │ ├── 2025-04-10T16:53:35.jpg │ ├── 2025-04-10T16:53:43.jpg │ ├── 2025-04-10T16:53:54.jpg │ └── 2025-04-10T16:54:07.jpg ├── 2025-04-14 │ └── 2025-04-14T12:48:22.jpg ├── 2025-04-17 │ └── 2025-04-17T20:40:33.jpg ├── 2025-04-25 │ └── 2025-04-25T09:30:41.jpg ├── 2025-04-26 │ ├── 2025-04-26T14:29:16.jpg │ ├── 2025-04-26T18:16:10.jpg │ ├── 2025-04-26T18:16:30.jpg │ ├── 2025-04-26T18:16:34.jpg │ ├── 2025-04-26T18:20:30.jpg │ ├── 2025-04-26T18:20:36.jpg │ ├── 2025-04-26T18:22:01.jpg │ ├── 2025-04-26T18:22:37.jpg │ └── 2025-04-26T20:14:18.jpg │ ├── 2025-05-14T19:55:05.jpg
Als Tool für die Fotobearbeitung nehme ich im Wesentlichen ein kleines Shell-Skript, das mir die frisch von der Kamera heruntergeladenen Bilder in eine Ordnerstruktur einsortiert, anhand der Metadaten im Bild. In jedem Bild speichere ich beim Aufnehmen Uhrzeit und bei den Bildern vom Handy auch die Position, wenn ich das nicht explizit abschalte. Für die manuelle Bearbeitung und Verwaltung der Bilder benutze ich das Programm DigiKam,da es seine Metadaten wieder in den Fotos ablegen kann und auch Gesichter erkennen kann.
eBooks
Meine eBooks sind etwa 60 GB groß. Ich nutze vor allem EPUB und PDF, weil diese Formate auf den meisten Geräten funktionieren. Die Struktur ist etwas komplexer: ~/ebooks/Genre/SubGenre/SubSubGenre.../Serie/Titel -- Autor.epub. So behalte ich den Überblick über meine vielen Bücher. Als Baum sieht das dann so aus:
science fiction/ ├── fermi's progress │ ├── dyson's fear -- chris farnell.epub │ ├── descartesmageddon -- chris farnell.epub │ ├── planet of the apiaries -- chris farnell.epub │ ├── the phone job -- chris farnell.epub │ ├── fermi's progress -- chris farnell.epub │ └── fermi user manual annotated -- chris farnell.pdf ├── mind control -- finn, thomas.epub ├── monk and robot │ ├── psalm für die wild schweifenden, ein -- becky chambers.epub ├── the expanse │ ├── abaddons tor -- james corey.epub │ ├── calibans krieg -- james corey.epub │ ├── leviathan erwacht -- james corey.epub ├── the further adventures of sampson 39 -- chris farnell.epub ├── the murderbot diaries │ ├── home_ habitat, range, niche, territory -- martha wells.epub │ ├── rapport_ friendship, solidarity, communion, empathy -- martha wells.epub │ ├── all systems red -- martha wells.epub │ ├── artificial condition -- martha wells.epub │ ├── exit strategy -- martha wells.epub │ ├── fugitive telemetry -- martha wells.epub │ ├── network effect -- martha wells.epub │ ├── rogue protocol -- martha wells.epub │ ├── system collapse -- martha wells.epub ├── wayfarers │ ├── a closed and common orbit -- becky chambers.epub │ ├── galaxie und das licht darin_ ausgezeichnet mit dem kurd laßwitz preis 2023, die -- becky chambers.epub │ ├── record of a spaceborn few_ wayfarers 3 -- becky chambers.epub │ ├── the long way to a small, angry planet_ the most hopeful, charming and cosy novel to curl up with -- becky chambers.epub ├── zero gravity -- schuhmacher, nicole.epub
Zum Verwalten meiner E-Books benutze ich natürlich Calibre. Dieses Programm legt zwar alle seine Bücher in einer internen Ordnerstruktur ab, die man nicht verändern kann, aber netterweise verfügt es über eine Exportfunktion, bei der man den Aufbau der Exportpfade bestimmen kann, also wo Autor und Buchtitel im Pfad erscheinen sollen. Dort kann man dann auch ein Genre oder die Buchreihe angeben. Und als Genre benutze ich die typischen Genres, wie sie aus dem Buchhandel bekannt sind.
Die Kategorien des Buchhandels sind allerdings in mehreren Ebenen gegliedert, also zum Beispiel Fachbuch, Chemie, organische Chemie. Im Genre kann ich leider keine kompletten Pfade eintragen. Also habe ich mir ein Tool geschrieben, das die jeweils tiefste Kategorie, also in diesem Fall zum Beispiel organische Chemie, nimmt und nach dem Export den kompletten Pfad, also Sachbuch und Chemie darüber, wieder anlegt. Es liest dazu eine Org-Datei, in der die Buchhandelstruktur, wie ich sie mir angepasst habe, hinterlegt ist und passt anhand dessen die Pfade an.
Diese Ordnerstruktur kopiere ich dann auf meinen E-Book-Reader. Ziel des Ganzen ist es, dass auch E-Book-Reader, die nicht von sich aus stabil Ordner anlegen können, in der Lage sind, mit einer hierarchischen Struktur klarzukommen. Außerdem kann ich mein Programm zum Visualisieren der E-Books dann so verwenden, dass für jede Hauptkategorie ein neues Regal angefangen wird.
Dokumente
Meine Dokumente umfassen etwa 1,5 GB. Hier setze ich auf PDF, weil es einfach überall geöffnet werden kann. Die Struktur ist ~/myfolderstructure/ISODATE_Typ_Absender_Inhalt.pdf. Das ISO-Datum am Anfang hilft mir, alles chronologisch zu sortieren.
Der Dokumentenordner hat die wildeste Struktur. Im Wesentlichen lagere ich dort die eingescannten Eingangspost. Das sind dann die PDF-Dokumente, die dort liegen. Aber auch die Ausgangspost lagere ich dort. Deswegen findet man dort auch Text- oder Open Document Formate.
Die Struktur dieses Baums ist über die letzten zehn Jahre organisch gewachsen. Ich benutze sie allerdings an mehreren Stellen, sowohl für die Verzeichnisse als auch für Verzeichnisse in meinem Mailpostfach. Und sie hat sich weitgehend bewährt. Wenn man genau reinguckt, sieht man noch verbliebene Versuche, das Ganze besser zu strukturieren. Aber überall da, wo ich an den Dateien arbeite, mache ich das Ganze mittlerweile rückgängig.
Als Baum sieht das dann so aus:
. ├── Beruf │ ├── Bewerbung │ │ └── lebenslauf.odt │ ├── 2017-10-17_Abfindung.pdf │ ├── 2017-10-18_Arbeitsbescheinigung.pdf │ ├── 2025-08-17_Arbeitsvertrag.pdf │ ├── 2025-12-31_Zwischenzeugnis.pdf │ ├── 2026-04-23_Laufzettel.pdf ├── Familie │ ├── Familienstand │ │ ├── Hochzeit │ │ │ ├── 2003-11-15_Heiratsurkunde.pdf │ │ │ ├── 2025-09-12_Aufgebot.pdf │ │ │ └── 2026-05-29_Heiratsurkunde.pdf │ │ ├── Todesfall │ │ │ ├── Beerdigung │ │ │ ├── 2016-08-11_Sterbeurkunde.pdf │ │ │ ├── 2016-08-12_Angebot_Bestatter.pdf │ │ │ ├── 2016-08-18_Einäscherungsurkunde.pdf │ │ │ ├── 2016-08-25_Baumvertrag_a.pdf │ │ │ ├── 2016-08-25_Baumvertrag.pdf │ │ │ ├── 2016-08-25_RE_Hankemeier_Bestattung.pdf │ │ │ ├── 2016-08-26_Beisetzungsurkunde.pdf │ │ │ ├── 2016-09-30_ErbscheinMitVorblatt.pdf │ │ │ └── 2016-09-30_Erbschein.pdf
Speziell zu dieser Struktur werde ich auf jeden Fall nochmal einen getrennten Artikel schreiben. Der genau erklärt, warum und wieso ich die einzelnen Ordner so gewählt habe, wie sie heute sind. Damit liege ich dann auch wieder näher am Thema Plaintext, als es in diesem Artikel der Fall war.
Fazit
Für mich bedeutet Hüten, Verantwortung für meine digitalen Sammlungen zu übernehmen. Es geht nicht darum, einfach nur Speicherplatz zu füllen, sondern darum, bewusst mit dem umzugehen, was ich bewahre. Das gibt mir ein gutes Gefühl und spart mir am Ende sogar Zeit.