Wenn Johnny.Decimal und mein Hirn sich ganz doll lieb haben
Warum JD toll ist, und mein Hirn trotzdem was einfacheres braucht.Ich habe lange nach einem System gesucht, das mir hilft, meine digitalen Sammlungen nicht nur zu verwalten, sondern auch sinnvoll zu nutzen. Irgendwann bin ich auf das Johnny Decimal System gestoßen - ein Ansatz, der mir auf den ersten Blick logisch und durchdacht erschien. Klare Nummern, klare Kategorien, alles an seinem Platz. Klingt perfekt, oder?
Meine Probephase bin ich angegangen, indem ich einen Teil meiner Dokumentensammlung nach Johnny Decimal umgestellt habe.
Warum Johnny Decimal ein guter Anfang war
Das Johnny Decimal System hat mir gezeigt, wie wichtig klare Strukturen sind. Jede Kategorie hat eine Nummer, jeder Bereich hat seinen Platz. Das hat mir geholfen, meine Gedanken zu sortieren und meine Dateien nicht einfach nur abzulegen, sondern gezielt zu verwalten. Die Einfachheit des Systems war dabei ein großer Vorteil: Kein überflüssiger Ballast, keine unnötigen Unterkategorien, alles hat seinen Platz .
Und ja, es war ein guter Start. Dass Johnny Decimal mit Nummern arbeitet, dachte ich, kommt mir entgegen, da ich eigentlich ein ganz gutes Zahlengedächtnis habe. Außerdem hat das System klare Hierarchien, die meinem in Bäumen funktionierenden Gehirn auch gut funktionieren sollten.
Aber hier kommt der Haken: Ich bin kein Fan von zu starren Systemen. Ich mag Flexibilität. Ich mag es, wenn sich Dinge anpassen lassen, ohne dass ich das Gefühl habe, gegen Regeln zu verstoßen.
Wo es für mich nicht mehr gepasst hat
Aber wie so oft im Leben reicht "gut" irgendwann nicht mehr aus. Ich habe gemerkt, dass ich mich in den starren Strukturen nicht ganz wiederfinde. Nicht, weil das System schlecht ist - im Gegenteil, es ist durchdacht und funktional. Aber ich bin nun mal ich. Und ich arbeite am besten, wenn Dinge nicht nur funktional, sondern auch für mich gemacht sind.
Mein Problem mit Johnny Decimal führte allerdings dazu, dass ich mich mal intensiv damit beschäftigt habe, was ich eigentlich von einem Ablagesystem erwarte. Ich erwarte im Wesentlichen schnelles Ablegen und Wiederfinden von Dokumenten. Das heißt, der Dokumentenbaum muss schnell navigierbar sein.
Mein eigenes System: Eine logische Weiterentwicklung
Was macht also einen Johnny Decimal-Baum so leicht navigierbar? Mit ein wenig Nachdenken war die Antwort: dass sich der Pfad durch verschiedene Zeichen bereits am Anfang schnell automatisch erzeugen lässt. Ich muss nur eine minimale Anzahl von Zeichen tippen und kann dann auf die Tab-Taste drücken, um den Rest automatisch schreiben zu lassen.
Als ich das durchschaut hatte, habe ich mir eine eigene Variante gebaut, die zwar ein wenig Disziplin und Kreativität bei der Erstellung der Ordnerstruktur erfordert, aber ebenso schnell navigierbar ist. Ich achte lediglich darauf, dass jede Ebene meines Verzeichnisbaums derart gestaltet ist, dass alle Verzeichnisse mit einem anderen Buchstaben beginnen. Ich lege also, wenn es bereits einen Ordner "Finanzen" gibt und ich einen Ordner zu meiner Firma erstellen möchte, keinen Ordner "Firma" an, weil dann das "F" doppelt vergeben wäre. Alternativ nehme ich z. B. "Beruf".
Dazu kommt noch, dass ich möglichst die Begriffe nehme, die mir als Erstes in den Kopf kommen, und die idealerweise möglichst wenig Buchstaben haben - falls ich sie mal irgendwo eintragen muss, wo es keine automatische Ergänzung gibt.
Mein Home-Verzeichnis sieht z. B. so aus:
+├── 3d
+├── aud
+├── Bildschirmfotos -> /home/andy/img/Screenshots
+├── blog
+├── cloud
+├── doc
+├── ebooks
+├── fin
+├── fotos
+├── geo
+├── img
+├── INBOX
+├── music
+├── org
+├── prj
+├── rezepte
+├── Schreibtisch
+├── slides
+├── snap
+├── Sync
+├── todo
+├── vid
+├── Vorlagen
+└── wiki
Wie man sieht, gibt es hin und wieder doch Überschneidungen beim ersten Buchstaben. Dem gehe ich meistens dadurch aus dem Weg, dass einer der Begriffe dann großgeschrieben wird.
Warum das für mich funktioniert
Am Ende geht es nicht darum, das "perfekte" System zu finden. Sondern eines, das für mich funktioniert. Mein System ist vielleicht keine Revolution, aber es ist meins. Und das ist der entscheidende Unterschied.
Es fühlt sich richtig an, weil ich nicht das Gefühl habe, gegen Regeln zu verstoßen, wenn ich etwas anpasse. Es wächst mit mir, weil sich meine Bedürfnisse ändern und das System mit ihnen. Und es ist mein System, weil ich es nicht nur übernommen, sondern es selbst gemacht habe. Und das gibt mir ein Gefühl von Kontrolle und Verantwortung.
Fazit: Der beste Ansatz ist der, der zu dir passt
Johnny Decimal war ein großartiger Start. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben geht es nicht darum, etwas blind zu übernehmen, sondern es sich zu eigen zu machen. Mein System ist eine Hommage an die Stärken von Johnny Decimal - aber auch ein Beweis dafür, dass man manchmal die Regeln brechen muss, um das zu bekommen, was man wirklich braucht.
Und wer weiß? Vielleicht ist das hier nur ein Zwischenstopp. Vielleicht ändere ich in einem Jahr wieder alles. Aber das ist ja das Schöne daran: Es ist mein System. Und ich darf es so oft ändern, wie ich will.
Nomen est omen - und da das Kind ja üblicherweise einen Namen braucht, ist das uneheliche Kind von Johnny Decimal halt Andy Alpha.